Farbe oder Lasur?

Warum Lasuren im Außenbereich eine so kurze Standzeit haben

Standzeit einer Lasur

Die Skandinavier wissen, wie kurz die Standzeiten von Lasuren sind und verwenden daher im Außenbereich Farbe.

 

Seit der Nachkriegszeit wird Holz im Außenbereich hierzulande bevorzugt lasiert. Das liegt aber nicht etwa daran, dass Lasuren einen besseren Holzschutz bieten als Farben. Es ist vielmehr dem Mangel geschuldet, der seinerzeit herrschte, denn es waren weder Geld noch Mittel vorhanden, um gehaltvollere Farben herzustellen. Stattdessen kamen Lasuren, eine sehr dünne Form von Farbe, auf den Markt, die durch ihre semi-Transparenz die Holzmaserung sichtbar ließ. Tatsächlich hielten diese Lasuren damals gerne mal zehn Jahre und länger, was zum einen an der deutlich geringeren UV-Belastung und zum anderen an den zum Teil recht giftigen Inhaltstoffen lag. Doch diese gesundheitsgefährdenden Inhaltstoffe sind mittlerweile verboten, während die UV-Strahlung stark zugenommen hat. Und so sind die vermeintlich gesunden wasserbasierenden Lasuren heutzutage auf der Wetterseite bereits nach sechs bis 18 Monaten wieder weg.

Wirkung der Sonne auf Farbe und Lasur

Lasur oder Farbe?

Ist der Schutzfilm erst verwittert, kann Wasser ins Holz eindringen und Mikroorganismen haben leichtes Spiel.

Farben und Lasuren enthalten Bindemittel, die dafür sorgen, dass sich eine feste Schicht auf dem Holz bildet und die Pigmente im Anstrich gebunden bleiben. Die gängigsten Bindemittel sind Acryl, Acrylat, Alkydharz und trocknende Öle. Ihr großer Nachteil: sie alle werden durch UV-Strahlung zersetzt – mal schneller, mal langsamer. Je dünner und transparenter ein Anstrich ist, umso rascher ist dieser „aufgefressen“. Was von Acryllasuren übrig bleibt ist ein verbrannter Rest an Plastikpartikeln. Bei lösemittelhaltigen Lasuren sind Standzeiten von zwei bis drei Jahren durchaus mal möglich. Denn die Sonne braucht etwas länger um Alkydharz oder Öl zu verbrennen. Die zurückbleibenden Reste sind gegenüber dem Plastik einer Acryllasur aber unkritisch, weil sie pflanzlichen Ursprungs sind (Alkydharz wird zum Beispiel aus Lein- oder Sojaöl hergestellt). In jedem Fall wird aber die sonnenbeschienene Seite mit der Zeit matt und stumpf, was durch die verbrannten Rückstände der Bindemittel sowie die fehlende Schutzschicht kommt. Trügerisch wird es, wenn Pigmente der Lasur, die häufig länger im Holz verbleiben, den Anschein eines intakten Anstriches erwecken.

Regelmäßige Renovierungsanstriche einplanen

Wenn Sie Außenhölzer lediglich lasieren, sollten Sie unbedingt vor Ablauf der Standzeit einen Renovierungsanstrich einplanen

– Anstriche mit Acryllasuren müssen spätestens nach einem Jahr

– mit lösemittelhaltigen Lasuren nach zwei Jahren erneuert werden.

Ist der Schutzfilm erst verwittert, kann Wasser ins Holz eindringen, wodurch es auslaugt und sich Spannungsrisse aufbauen. Außerdem siedeln sich durch die Feuchtigkeit Mikroorganismen an, die das Holz mit der Zeit schädigen können.

Warum die Skandinavier ihre Holzhäuser nicht lasieren?

Im hohen Norden weiß man, wie kurz die Standzeiten von Lasuren sind und wie schnell ein Schaden am Holz entstehen kann. Und die Skandinavier wissen auch, dass ein optimaler Holzschutz nur durch einen Farbfilm langfristig gewährleistet werden kann. Denn eine Farbschicht ist zehn- bis 20-mal so dick, wie die einer Lasur. Entsprechend länger braucht die Sonne, um diesen Film „herunter zu brennen“. Wenn Sie Ihre Zeit also besser verbringen wollen, als mit ständigen Renovierungsanstrichen, sollten Sie für Holz im Außenbereich besser zu einer Farbe greifen.

3 Comments

Stieler

erscheint mir zu allgemein. Unterschied zwischen Dünnschicht und Dickschichtlasuren fehlt. Letztere halten bis zu 8 Jahren und länger.

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Thumser

Der Beitrag gilt dem Verständis dafür, warum dünnschichtige Anstriche im Außenbereich nicht sonderliche lange halten.
Der Unterschied zwischen einer Dünnschichtlasur und einer Dickschichtlasur ist schwer zu erklären, gehört daher auch nicht in diesen Beitrag hinein. Da viele deutsche Hersteller selbst eine Dünnschichtlasur als Dickschichtlasur anbieten, sind die Grenzen der Definition auch nicht exakt gezogen.
Eine deckende Farbe ist in ihrer Grundform eine Dickschichtlasur. verdünnt man eine solche deckende Farbe mit dem 5-15-fachen an Wasser oder Terpentinersatz, hat man eine Dünnschichtlasur erzeugt.
Aus heutiger Sicht ist eine Dickschichtlasur von ihrer Schichtstärke betrachtet eine doppelt gestrichene Dünnschichtlasur. während eine Dünnschichtlasur alle 1-2 Jahre auf den Sonnenseiten durch das UV-Licht verwittert, kann eine solche Dickschichtlasur – rein mathematisch – etwa doppelt so lange halten, bis auch sie verbrannt ist.
Die deutsche Farbenindustrie setzt sehr stark auf solche Trigger, wo das Wort „dick“ sich von „dünn“ absetzt und bei Lasuren einen positiven Effekt vermittelt. auch der häufig zu lesnde Schriftzug „hält bis zu…“ vermittelt eine gewisse Langlebigkeit. „bis zu…“ bedeutet allerdings „Wunschdenken“, bzw. „maximal erdenklich“ und trifft bei Lasuren tatsächlich auf der Nordseite unter dem Giebel zu. Wenn man jedoch Langlebigkeiten /Standzeiten von Anstrichen korrekt bewerten will, spricht man von der Wetterseite Süd und/oder West. Dort sind Lasuren noch nie „bis zu…“ intakt geblieben. dort scheint auch die Sonne, dort gibt es UV-Licht, dort zerfallen die Bindemittel im Anstrich – und zwar deutlich schneller als bei deckenden Farben, wo die Schichtstärke 5-15 x größer ist.
Wenn es jedoch hilft: „eine deckende Farbe hält bis zu 80 Jahren“ – auf der Nordseite unter dem Giebel.

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Noah

Wie viel der Autor darüber weiß! Das ist genau das, was ich zum Thema Lasuren wissen wollte. Ich danke Ihnen vielmals.

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